CHARLOTTE KUNSTMANN

Schriftstellerin 






#tobecontinued


Hier eine kleine Schreibübung aus unserer Autorenschule, die ich jeden Monat ein wenig weiterspinnen werde.

Dies waren unsere Vorgaben:
1.) Zwei Figuren verfolgen verschiedene Ziele
2.) Das Setting: Der Nachbar ist in seine Nachbarin verliebt. Sie denkt jedoch, er sei von der Stasi.


Fräulein Müller und der Rosengarten

Teil 1

    „Hallo, Hallo! Guten Morgen Fräulein Müller!“, grüßte mich mein Nachbar Peter Wallach von seinem Balkon. Er winkte dabei übertrieben zu mir in den Garten hinunter, sodass seine Hornbrille verrutschte und er sie mit dem Finger wieder auf der Nase zurechtrücken musste. Dann winkte er wieder. Drei Mal, sogar mit der anderen Hand. Lächeln und zurückwinken, befahl mir meine Erziehung. Immer schön lächeln und freundlich sein, zu jedem. Das hatte Mutti uns so beigebracht. „Kleene, du man kann nie wissen“, hatte sie gesagt. „Es könnte jeder sein, wirklich jeder, und es darf niemand etwas von Tante Gerda erfahren.“
Die war schon auf dem Weg. Sie und Onkel Theo müssten bald in Bulgarien angekommen sein. Hoffentlich, wenn nichts schief ging. Nichts durfte schief gehen.
„Sonst sitzen wir alle, wir alle hier mächtig in der Scheiße“, hatte mein Bruder neulich gesagt. Er war erst siebzehn, hatte aber manchmal diesen Blick eines alten Mannes. Direkt, zu ehrlich. Ein Blick der wehtun konnte.

Also hob ich wie in Trance zwanghaft erzogen den Arm, und machte ein paar schnelle und kurze Bewegungen mit der Hand: zwei Mal nach links und zwei Mal nach rechts. Gerade so viel, als dass es nicht als unhöflich interpretiert werden konnte. Es sah vermutlich eher so aus, als würde ich etwas in der Luft wegwischen, aber ich hob dazu sogar den rechten Mundwinkel an. Das musste genug sein.
Es war nicht genug. Ich wollte mich gerade unseren Blumen im Vorgarten wieder widmen, da ertönte Wallachs Stimme wieder von oben.

    „Ist das nicht ein herrlicher Morgen? Schön, dass es endlich wieder wärmer und die Tage länger werden, nicht?“

War das eine richtige Frage? Musste man diese beantworten? Ist es auffällig, wenn ich rhetorische Fragen nicht beantworte? Ich muss etwas tun, denn nichts tun ist wohl seltsam und auffällig. Ich hob den Kopf ein wenig, sah Wallach kurz ins schnauzerbespickte Gesicht.

    „Mh, stimmt“, sagte ich nickend.

Das war zu viel. Er hielt mich mit seinen Augen fest und ohne Vorwarnung begann sein Verhör.

    „Sie gehen auch gerne abends mal aus, habe ich Recht? Jetzt wo es wieder wärmer wird, ne? Ich habe Sie neulich mal in der Tanzmaus im Biergarten mit ihrer Freundin gesehen. Wie heißt sie noch gleich? Sabine?“

Woher kannte Wallach Sabine?

    „Ja, ich war mit Sabine in der „Tanzmaus““, sagte ich.  Besser keine falschen Angaben machen. Ich runzelte aus Versehen ein wenig die Stirn und musste die schwere Gießkanne abstellen.

Wallach erkannte dadurch seine Chance und fragte weiter.  

    „Gehen Sie am Samstag och wieder hin? Da spielt eine Band. „Die blauen Hosen“, kennen Sie die? Das sind drei Jungs mit Gitarren und Mundharmonika. Und de ene, na, der spielt och manchmal Akkordeon, der Thomas. Den kenne ick.“

Na kein Wunder, dachte ich und verschränkte unwillkürlich die Arme vor der Brust. Bemerkte dies aber erst viel später. Im Gesicht trug ich noch das schiefe Lächeln vom Erstkontakt, dass Wallach wohl als weitere Einladung zur Befragung verstand.

    „Ich habe die drei schon Öfters spielen jehört. Und jetzt raten Sie mal, was die Jungs bei denen ihrem letzten Auftritt trugen?“, sagte Wallach nun, lachte und kratze sich dabei am Oberlippenbart. Ich zuckte mit den Schultern und sah mich vorsichtig nach Hilfe suchend um. Wo blieb eigentlich mein Bruder, wenn man den und seinen Eisblick mal brauchte?

    „Na alle trugen sie grüne Hosen! Stellen Sie sich dit mal vor!“ Wallach lachte nun schallend, so dass seine Brille wieder verrutschte. Ich wollte gehen, sofort, aber ich wusste nicht wie.

    „Mögen Sie denn solche Gitarrenmusik?“, fragte nun Wallach. „Sie spielen doch oh ein Instrument, wa? War es nicht Cello, wenn ich es richtig gehört habe? Wunderbar, sage ick Ihnen. Sie haben Talent.“

Mir wurde schwindelig und ich war verunsichert. Mit zu freundlichen Komplimenten wusste ich nicht umzugehen. Das hatte mir keiner beigebracht.

    „Ihr Bruder, der spielt doch auch in der Schülerband, richtig?“

Woher wusste der Wallach das alles?

    „Woher wissen Sie das?“, fragte ich ohne nachzudenken.

Er schien sich über meine besorgte Reaktion zu freuen.

    „Na, Mensch uff dem Stadtfest neulich, da ist er doch uffjetreten. Sie waren auch da. In ihrem blauen Kleid, das sah wirklich toll aus an Ihnen, muss ich ja mal sagen. Hat gut zu Ihren Augen gepasst. Richtig schick!“

Gerdas kornblumenblaues Kleid, sie hatte es mir zum Abschied geschenkt. Er wusste alles. Er kannte sogar meine Garderobe. Hatte er das alles tatsächlich beobachtet oder war er bereits in unserer Wohnung gewesen? Die Rosensträucher verdeckten ein wenig das Zittern meiner Beine.

    „Also um nochmal auf Samstag zurück zu kommen, wa“, Wallach machte eine übertriebene Geste und kratzt sich wieder am Bart. „Samstag, zu den blauen Hosen, gehen Sie mit mir da hin? Der Thomas, also, ick könnt bestimmt ne Karten och für Sie bekommen. Würden Sie mich begleiten?“

Mir stockte der Atem. Was sollte ich tun? Die Rosendornen zerkratzen mir die Beine. Ich dachte an Bulgarien, das Kleid, den Laster, in dem Tante Gerda saß und nickte. (…)



Teil 2


In der Tanzmaus


(...) Wallach hielt mir die schwere Holztür auf. Dicke Luft, leicht gedämpftes Licht und Zigarettenqualm begrüßten uns und Wallach nahm mir vorsichtig den Mantel ab, um ihn an die Garderobe links hinter der Theke zu befestigen. Ich sah mich in der Tanzbar um. Drei ältere Herren saßen am Tresen und auch die Tische waren gut besetzt. Kerzenwachs kleckerte auf deren Oberflächen. Verliebte Teenager wuschelten sich gegenseitig in ihren toupierten Haaren herum. Ich erkannte sie als Klassenkameraden meines Bruders. Musik tönte aus dem hinteren Raum, der den Gästen als Tanzfläche diente. Die Tür zum Tanzsaal verschluckte ein Pärchen im mittleren Alter. Ich sah gerade noch ihren bunten Rock im Türrahmen verschwinden. Ich dachte daran, wie meine Eltern hier schon in ihrer Jugend den Lipsi getanzt hatten, als die „Tanzmaus“ noch das „Das Kulturhaus“ hieß und wie meine Mutter nun vermutlich alleine, rauchend am Küchentisch saß und auf meine Rückkehr wartete.

Die Wirtin wischte gedankenversunken über den Eichentresen, der wohl mehr Geschichten, als jeder Stasispitzel im Ort erzählen hätte können. Ihr Mann zapfte gerade ein neues Bier und grüßte Wallach nickend, der nun auch seinen beigen Mantel auszog. Mein Nachbar näherte sich mir wieder und strich sich über das karierte Hemd. Es war wohl sein Ausgehhemd, denn er trug es bereits zu unserer ersten Verabredung vor zwei Wochen. Wir trafen uns diese Woche bereits zum zweiten Mal. Am Mittwoch hatte er mich in der Innenstadt zufällig, so wie er sagte, gesehen und mich spontan zum Eis eingeladen. Hierbei hatte er zum ersten Mal meine Hand genommen und diese bis wir das Eis in der Hand hielten nicht mehr losgelassen. Ich hatte geschwitzt und war stocksteif neben ihm her zur Eisdiele gelaufen. Moni hatte gearbeitet und große Augen gemacht, als sie mich mit Peter Wallach sah. Was hätte ich auch anderes machen können? Danach bin ich heulend nach Hause geradelt und habe alles meiner Mutter und meinem Bruder erzählt.

    „Versuch ihn auf Abstand zu halten“, riet mir Hans. „Nur noch eine Weile.“
Aber wie, wenn man im selben Haus lebte. Ständig kreuzten sich, wie durch ein Wunder, unsere Wege. Ich hatte gestern nur schnell den Müll in den Hinterhof bringen und dann zu meiner Freundin fahren wollen, doch da stand er schon mit der nächsten Einladung bereit und ich nickte wieder einfach nur und war über Umwege auf dem Rad zu Sabine gefahren.

Auch jetzt war ich wieder zum Eiszapfen erstarrt und sah, wie Wallach freudig grinsend sich mir näherte.

    „Na, Mäuschen. Vielleicht ein kühles Blondes für meine Brünette?“
Er lachte kurz auf, rückte seine Brille mit dem Mittelfinger zurecht und schob mich dann mit seiner Hand auf meiner rechten Schulter sanft von meinem Platz Richtung Tresen.  Neben den Herren waren noch zwei Barhocker frei. Er drückte mich auf den ganz rechts außen und setzte sich selbst neben unseren pensionierten Sportlehrer.

    „Sport frei!“, prostete dieser in diesem Moment seinen Kollegen aus dem ansässigen Ruderverein zu. Die anderen trugen noch ihre weiß-blauen Trikots. Sie lachten und der mittlere Glatzkopf guckte mit etwas glasigem Blick zu uns herüber. Er erkannte Wallach und begrüßte ihn freudig. Wallach bestellte mit einer lässigen Bewegung zwei Bier beim Wirt und keine Minute später hielt ich ein großes Bier in meinen Händen. Ich klammerte mich daran fest, wollte ich möglichst keine freie Hand haben, die sich Wallach wieder hätte greifen können.
Die Männer unterhielten sich angeregt und kicherten wie kleine Schulmädchen. Der Glatzkopf erzählte gerade einen Witz.

    „Was ist der Unterschied zwischen einem Kuhschwanz und einem Wessi-Schlips?! Na?? Der Kuhschwanz verdeckt das Arschloch ganz.“ Alle brüllten, auch Wallach schmunzelte. Der Sportlehrer stockte als erster, nutze die Gelegenheit und schob den nächsten hinterher.

    „Warum braucht man im Westen 13 Jahre für's Abitur? Weil ein Jahr davon Schauspielunterricht ist.“ Verhaltenes Lachen, es wurde zustimmend genickt und am Bier genippt.

    „He, ick kenne och einen“, der Herr links neben dem Glatzkopf leckte sich die Lippen: „Wo findet der nächste SED-Parteitag statt? Naa?? Im Harz natürlich, zwischen Elend und Sorge!“. Er warf den Kopf zurück, grunzte etwas vor Lachen und haute mit der freien Hand auf den Tresen, sodass etwas Bier auf sein Trainingshemd schwappte.

Die anderen schwiegen, der Wirt grinste.

    „Mensch, Herbert“, Wallach meldete sich als erster zu Wort „sag das man nich‘ zu laut, wa? Weißt ja, die Wände haben gerne Ohren.“ Er lächelte schief und zwinkerte mir kurz über die Schuler zu. Stimmt, dachte ich, du Oberarsch von einer Sicherheitsnadel, du Hundsfott - IM. Du Widerling, du... Weiter kam ich nicht. 

    „Darf’s für die Herren vielleicht noch was sein?“, fragte die Wirtin dazwischen.

    „Einen Kaffee komplett, für mich. Ich muss noch fahren“, bestellte der Sportlehrer.

    „Ach was, deine Pappe fährt wieder?“, fragte der Glatzkopf.

    „Aber sicher doch.“ „Na denn nehm‘ ich noch einen Verteiler und fahr bei dir mit.“
    „Einen was?“, fragte Wallach.

    „Na einen Schnaps; der verteilt den Gerstensaft ordentlich“. Wieder lachten alle.
    „Gute Idee“, Wallach war überzeugt. „Drei Klare, bitte, ach ne, mach mal vier. Meen Mäuschen möchte bestimmt och noch enen, wa?“

Wieder wurde gezwinkert, zugeprostet und gespöttelt. Mein Mäuschen? Soweit waren wir also schon? Ich spannte unmerklich die Muskeln in meinem Oberkörper an. Ich musste verkrampft ausgesehen haben, zumindest sprach mich Wirtin leise über ihren ollen Lappen an.

    „Allet jut bei dir, Kleene? Bist ja janz blass um die Nase.“ Ich schaute sie an und dann den Glasbläschen in meinem Bierglas beim Blubbern zu, das ich noch immer in meinen Händen hielt.

    „Ich glaube“, ich nippte am Schaum „ich glaube, ich muss mal kurz an die frische Luft“, sagte ich mehr zu mir selbst, als zu der Wirtin. Sie nickte nur und räumte dann die gespülten Gläser in das Regal hinter sich ein. Die drei Herren vom Ruderverein und Wallach waren mit Biertrinken, Rauchen und ihren Verteilern beschäftigt. So bemerkte er gar nicht, wie ich mein Bier abstellte, meine Tasche nahm und aus der Kneipe ging. (…)


Teil 3

Hans hat einen Plan


(…) Schneidendkalte Nachtluft schlug mir entgegen, als ich die sperrige Tür öffnete. Der Spätsommerwind lüftete beim Austreten meinen Faltenrock und ich fröstelte ein wenig. Doch die kalte Luft tat mir gut. Der Wind pustete für einen Moment meine Sorgen weg und machte Platz für einen Hauch von Frieden. Und das brauchte ich jetzt. Einen Moment Ruhe, nur kurz, um meine Gedanken neu zu sortieren. Wie sollte es weitergehen mit Wallach? Wie sollte ich ihn auf Distanz halten, ohne unhöflich, ohne verdächtig zu wirken? Wozu war er fähig? Seine Andeutungen gerade eben, er wusste alles. Er kennt jeden. Was sollte ich nur tun?

Ich rieb mir mit den Händen über das Gesicht und lehnte mich mit dem Rücken neben die Tür an die Häuserwand der Kneipe. Ich fühlte den Backstein und genoss die kühle Stütze. Eine Gänsehaut kletterte mir über den Rücken den Nacken empor bis auf beide Arme. Es schüttelte mich und ich freute mich darüber. Wollte ich doch alles abschütteln, weg sein, frei sein, mir keine Sorgen mehr machen müssen.
Plötzlich hörte ich eine Fahrradklingel und sah auf. Der schwache Lichtschein eines Rades näherte sich mir in hohem Tempo. Es war Hans, der außer Atem auf mich zugerast kam und erst kurz vorher abbremste.

    „Mensch, da bist du ja“, zischte er mir zu. Er sah sich hektisch um, stieg ab und warf sein Rad ins Gebüsch.

    „Was ist denn Hans? Was machst du hier?“, fragte ich ihn und rieb mir mit den Händen über die Oberarme.

    „Mensch, ick habe dich überall jesucht. Mutti war nicht zu Hause und bei Sabine- ach egal. Bist mit Wallach hier?“ flüsterte er nun. Ich nickte.

    „Komm, ist wichtig.“, Er zog mich ungeduldig um die Häuserecke, aus dem Lichtkegel der Eingangstür der Gaststätte.

    „Hans, was machst du denn für einen Aufstand?“, ich schüttelte wirsch seinen Handgriff ab. Es würde blaue Flecken geben, so heftig zog er an mir. Hans sah nochmal zur Eingangstür um die Ecke und beugte sich dann hinunter zu mir.

    „Wir haben Post bekommen. Verstehst du?“ Ich hielt den Atem an. „Eine Postkarte von Frieda. Es sieht nicht jut aus. Sie haben schlechtes Wetter schreibt sie. Verstehste, Susanne? Schlechtes Wetter- in Bulgarien, im September?!“ Hans seufzte und erst jetzt bemerkte ich die Sorgen in seinen grauen Augen.

Ich nickte fassungslos und nahm meinen viel zu großen, kleinen Bruder in den Arm. Gerda hatte es nicht geschafft. Sie war nicht bei ihrer Freundin Frieda angekommen.

    „Meinst du, sie ist verhaftet worden?“, frage ich leise in Hans‘ Halsbeuge. Ich spürte sein Nicken über meinem Kopf.

    „Weißt du, was das für uns bedeutet, Susanne? Kannst du dir nur ansatzweise vorstellen, was das für dich, Mutti und mich bedeutet?“

Er machte sich aus meiner Umarmung frei und ging ein wenig in die Hocke, um mir ins Gesicht zu blicken und fasste mich an den Schultern.

    „Wir sind in Gefahr Susilein, verstehste? Wir alle. Wallach, scheiße, er muss es mitbekommen haben, irgendwie. Hast du deine Tasche überprüft? Dein Rad? Mit wem hast du alles über Gerda gesprochen? Mit Sabine?“

    „Du tust mir weh, Hans!“ Ich schüttelte seine Hände ab und ging einen Schritt zurück, so dass ich die Wand der Kneipe wieder in meinem Rücken spürte.

    „Und nein, ich habe mit nie- wirklich niemandem darüber geredet. Warum unterstellst du mir das überhaupt? Vielleicht hast du dich ja im Suff bei deinen Atzen verplappert, mh?“

    „Icke? Ne, niemals. Was soll denn der Quatsch? Janz sicher nicht.“
Mir fröstelte wieder und ich dachte  kurz sehnsüchtig an meine Jacke, die bei Wallach neben dem Tresen hing und schämte mich sofort dafür. Wie konnte ich nur meine Jacke vermissen, wenn Gerda vermutlich irgendwo im Nirgendwo in einer Zelle eingesperrt worden war, wenn auch wir bald verhört werden würden, wenn…

    „Susi? Hallo? Susilein, hörst du mir überhaupt zu?“ Hans tippte mir an die Schulter.

    „Ja, ich… Hans, was sollen wir tun? Was soll ich tun? Wallach und… werden sie dich holen und befragen?“ Hans fuhr sich durch seine Locken und schaute auf den Boden.

    „Ick denke, ja, sie werden kommen und uns wohl alle befragen. Wie Gerda sagte, wir sollen uns unwissend stellen. Sie dürfen nicht denken, dass auch ich… Also, dass der eigentliche Plan war- also wir müssen uns ruhig verhalten, verstehste? Weißt du noch, wie Vati früher jesagt hat, man müsse versuchen, sich den Feind zum Freund zu machen? Lad den Teufel ein, hatte er mal jesagt, dann wird er nicht merken, dass wir Gotteskinder im Belzebubgewand sind. Solange Wallach das Gefühl hat, er wüsste alles, er hätte uneingeschränkten Zugriff auf unsere Familie, solange wird er uns vielleicht nicht melden. Vielleicht mich nicht...“

    „Aber Hans, wie? Wie soll das geschehen? Ich kann ihn doch nicht so lange, also, soll ich mich immer wieder mit ihm treffen, bis Gerda wieder…“

    „Nein, ick fürchte Susilein, dit jenügt nicht.“ Hans unterbrach mich und kam einen Schritt auf mich zu. Ich bekam einen Klos im Hals, den ich nicht hinunter schlucken konnte.

    „Nein, er muss das Gefühl haben, er sei quasi ein Teil der Familie, er jehöre richtig dazu. Du könntest dich mit ihm verloben, zumindest bis die Lage sich geklärt hat und wir Genaueres über Gerda wissen. Heiraten geht ja eh noch nicht.“

    „Hans, bist du noch bei Sinnen? Ich mich mit Wallach verloben? Mit, mit diesem, mit dem…“

    „Pssst! Still!“ Hans hielt mir die flache Hand vor den Mund. Man hörte, wie die Eingangstür der Gaststätte knarrend geöffnet wurde und mit zwei schweren Schritten stand plötzlich unser Nachbar Peter Wallach vor uns.  (…)



#to be continued.